Des cartes perforées à l’intelligence artificielle : 75 ans d’ONSS

Interview

Von Lochkarten zu künstlicher Intelligenz: 75 Jahre LSS

Am 28. Dezember 2019 feiert nicht nur die soziale Sicherheit aber auch das Landesamt für Soziale Sicherheit (LSS) seinen Geburtstag. Beide sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne LSS, keine soziale Sicherheit!

Ein Meilenstein

Ein einziges unscheinbares Artikelchen in einer wallonischen Zeitung! Mehr war in der nationalen Presse vom 29. Dezember 1944 über das “Erlassgesetz über die soziale Sicherheit der Arbeiter”, das am Tag zuvor unterzeichnet wurde, nicht zu finden. Dies war auch logisch, denn in den Nachrichten des Tages stand die Ardennenoffensive, die letzte blutige Ausschreitung des zweiten Weltkriegs, noch im Vordergrund.

„Trotzdem was das Erlassgesetz ein Meilenstein der belgischen Geschichte”, sagt Koen Snyders, der Generalverwalter des Landesamts für Soziale Sicherheit. „Das Erlassgesetz markiert den Start der modernen sozialen Sicherheit und unserer Einrichtung, des LSS. Die soziale Sicherheit wurde nunmehr ein verpflichtetes und verallgemeinertes System, das von Beiträgen vom Lohn finanziert wird ”

Beruhigung herbeibringen

Dem LSS, das damals noch auf Niederländisch „RMZ, Rijksdienst voor Maatschappelijke Zekerheidʺ hieß, wurde eine zentrale Rolle zugedacht. Es sollte die Sozialbeiträge einziehen und das System finanzieren.

Zur Erleichterung der Politiker, die soziale Unruhe im Zuge des Kriegs befürchteten, funktionierte das System vom Anfang an sehr gut. Das LSS konnte vom Anfang an die Dienste der „Société de Mécanographieʺ (später: Smals), die bereits im Jahre 1939 vom Kinderzulagensektor gegründet wurde, benutzen. Die Gelder kamen mühelos herein und die gesellschaftliche Akzeptanz war groß.

Anne Kirsch, beigeordnete Generalverwalterin des LSS: „Die soziale Sicherheit führte bei der Bevölkerung ein Gefühl von Sicherheit und Beruhigung herbei, sodass unter friedlichen Bedingungen mit dem Wiederaufbau angefangen werden konnte. Jedermann hatte in dieser Epoche ein großes Bedürfnis danach.”

Schwindelerregend

Bis zum heutigen Tage stellt das LSS sicher, dass die Gelder der sozialen Sicherheit rechtzeitig eingezogen und gut verwaltet werden und das sie zur richtigen Auszahlungseinrichtung gelangen.

Es hat sich dennoch im Laufe der 75 Jahre unwahrscheinlich viel geändert. Das LSS ist jetzt für den Einzug von 61 Milliarden Euro an Beiträgen bei 250.000 Arbeitgebern und 4 Millionen Arbeitnehmern zuständig. „Diese Zahlen hätten den Politikern und Sozialpartnern des Jahres 1944 schwindlig gemacht”, sagt Koen Snyders. „Sie zeigen auch in welchem Maße der Wohlstand in unserem Land angestiegen ist.”

Zusammen mit dem Wohlstand wuchs auch die soziale Sicherheit. Der Sozialschutz und die Sozialversicherung wurden ein Recht jedes Einzelnen. In den Jahren ’60 wurde zum Beispiel ein Sozialstatut für Selbständige und ein gewährleistetes Einkommen für Ältere eingerichtet.

Kunden

  • 251.000 arbeitgeber
  • 4 millionen arbeitnehmer im privaten und öffentlichen sektor
  • 30 anerkannte sozialdienstleister
  • 7.067 aktiv versicherte

Finanzierung

  • €60,9 mrd. eingenommene beiträge
  • €5,8 mrd. staatliche subventionen
  • €12,5 mrd. alternativfinanzierung

Ausgaben

  • Pensioenen (39,95%)
  • Gesundheitspflege (29,70%)
  • Krankheit und invalidität (10,76%)
  • Arbeitslosigkeit (6,85%)
  • Jahresurlaub (5,88%)
  • Sonstige (6,86%)

E-government

  • DmfA 244.000 originalmeldungen/quartal
  • Dimona 39 mio. meldungen/jahr
  • Limosa 792.000 meldungen/jahr

Einnahme

  • 97% am fälligkeitstermijn eingenommen
  • 20.928 beantragte bereinigungspläne
  • 39.923 eingeleitete verfahren

Betrugsbekämpfung

  • 21.754 überprüfungen
  • 146,4 millionen regularisierungen

Digitale Revolution

Seit dessen frühen Beginn greift das LSS in Zusammenarbeit mit Smals schon auf die modernste Technologie zurück. Das waren jemals Lochkarten und später Magnetbänder – aber mit dem Herannahen der Netzwerktechnologie wurde aufs Tempo gedrückt. Die Digitalisierung stellt eine der wichtigen Revolutionen der Geschichte der modernen sozialen Sicherheit dar.

„Die Gründung der zentralen Datenbank der sozialen Sicherheit Anno 1990 war ein Quantensprung”, erinnert sich Koen Snyders. Es entstand ein Netzwerk innerhalb der Sozialversicherungseinrichtungen, mit dem künftig im elektronischen Wege der Datenaustausch ermöglicht wurde.

Darüber hinaus wurden auch die Meldungen bei der sozialen Sicherheit fortlaufend nacheinander digitalisiert. Diensteintritte, Löhne, Arbeitszeiten, Sozialrisiken: seit den Jahren ’90 und 2000 kommen diese Informationen alle über Online-Meldesysteme herein. Koen Snyders sagt, dass „die Digitalisierung eine wesentliche administrative Vereinfachung und eine besonders leistungsfähige Verwaltung herbeigeführt hat.”

Die Bürger haben auch davon profitiert. Sie mussten nicht länger komplexe Formulare zu verschiedenen Behörden bringen. Viele Daten werden heutzutage automatisch an die Einrichtungen, die Sozialrechte feststellen müssen, geschickt. „Die Bürger fühlen sich heute ausreichend von Diensten unterstützt, die alles dafür tun, um zu sorgen dass ihre Rechte sichergestellt werden und dass hierüber transparent kommuniziert wird”, sagt Koen Snyders.

Eine wachsende Organisation

In den letzten Jahren wird großer Wert auf eine Umstrukturierung der Behörden gelegt. Durch die Zusammenfügung von Organisationen versucht die föderale Regierung, eine schlankere Verwaltung zu erreichen. Die Sozialversicherungseinrichtungen haben selber ihr Trajekt geplant.

„Wir haben beim LSS auch sehr viele Integrationen mitgemacht”, sagt Anne Kirsch. „Infolge des Zusammenschlusses mit DIBISS (Dienst für die Sondersysteme der sozialen Sicherheit) wurden wir für den Beitragseinzug bei den lokalen und provinzialen Verwaltungen zuständig. Die Überseeische Soziale Sicherheit, eine Versicherung für im Ausland Beschäftigte, wurde auch unserem Versicherungssystem hinzugefügt; wie auch die Unterstützungs- und Fürsorgekasse für Seeleute (HVKZ).”

Der Zusammenschluss der Inspektion des LSS mit der Sozialinspektion Anno 2017 war auch ein wichtiger Schritt. Der Tätigkeitsbereich des neuen Inspektionsamts des LSS hat sich dadurch wesentlich vergrößert. Sie beschäftigt sich jetzt nicht nur mit der Bekämpfung des Sozialbetrugs sondern auch mit den modernen Formen von Ausbeutung wie Menschenhandel und Sozialdumping.

Kulturschock

Auch im Innern hat sich das LSS unerkennbar geändert. „Ein(e) Beamte des LSS, der/die aus dem Jahre 1945 in die Gegenwart geschleudert würde, wurde sich sehr wundern”, sagt Anne Kirsch. „Die Arbeitskultur hat sich grundlegend geändert. Wir arbeiten jetzt viel flexibler. Die Stechuhr wurde vor einigen Jahren abgeschafft und unsere Mitarbeiter können jetzt bis zwei Tage zu Hause arbeiten. Unsere Arbeitsumgebung spiegelt diese Veränderungen wieder.”

Roboter für die soziale Sicherheit?

In den letzten Jahren hat sich die Technik weiterentwickelt. Künstliche Intelligenz, Roboter, automatisierte Prozesse : sie sind zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesellschaft geworden. Werden die Sozialbeiträge in Kürze von intelligenten Robotern eingezogen werden?

„So schnell wird das nicht gehen”, meint Koen Snyders. „Risikobezogene Beiträge einziehen, bedeutet auch, dass es zahlreiche Kontakte mit Arbeitgebern mit Zahlungsproblemen gibt. Die Aufgaben der Inspektion beinhalten vor allem auch eine Arbeit vor Ort. Meines Erachtens werden all diese Sachen noch nicht schnell von einem Roboter übernommen werden.”

Es ist aber unstrittig, dass die Automatisierung auch bei den Behörden Spuren hinterlassen werden. Das LSS bereitet sich schon jetzt darauf vor. „Wir haben im Jahre 2019 einen Chatbot für Student@work eingeführt. Jugendliche können rund um die Uhr dort Fragen über Studentenarbeit stellen’, sagt Koen Snyders. „Wir experimentieren mit Sprachtechnologie und auch bei der Bekämpfung des Sozialbetrugs spielt künstliche Intelligenz auch eine immer größer werdende Rolle.”

Wie dem auch sei, wenn es vom LSS abhängt, darf die Zukunft jetzt anfangen.